Freitag, 29. April 2016

Von Heimweh und der Angst zu gehen

Manchmal hat man einfach Heimweh.
Manchmal will man nichts anderes, als in seinem Bett Zuhause in Deutschland zu liegen.
Dann möchte man all die vertrauten Dinge zurück, die man erst jetzt, am anderen Ende der Welt so schätzen gelernt hat, bei sich haben.
Es muss garnicht mal eine bestimmte Person sein, die man vermisst. Manchmal ist es einfach ein Gefuehl, ein Ort, ein Geruch, ja manchmal sogar etwas, das man eigentlich nie so richtig mochte, das man vermisst.
Man muss nichtmal unglueklich sein, da wo man gerade ist. Es kann der schoenste Moment sein und dann faellt einem ein, wem aus Deutschland man das wohl erzaehlen wuerde, oder man denkt daran, wen man jetzt gerne dabei haette.
Manchmal möchte man einfach "aufgeben" und zurück.
Aber im nächsten Moment hat man wieder so viel Angst davor, all das, was man hier hat wieder verlassen zu müssen.
Dann kriegt man Panik, weil die Zeit doch immer viel zu schnell vorbei geht.
Man realisiert, dass man ein paar Monate zuvor noch ein Fremder hier war, jemand der niemanden kannte und nichts bei sich hatte, ausser einen Koffer voll Kleidung. Man hatte nichtmal eine Vorstellung davon, wie die naechsten Wochen seines Lebens aussehen wuerden.
Und jetzt, nur ein paar Monate spaeter, hat man das Gefuehl angekommen zusein, man hat Freunde gefunden, die man nie wieder verlassen moechte, Orte kennengelernt, die man immer vermissen wird und Dinge erlebt, die man nie vergessen wird.
Und dann fallen einem all die Dinge ein, die man noch erleben und sehen moechte und man merkt, dass die Zeit, die bleibt, nie genug sein kann. Dann stellt man sich vor, wie das wohl ist, zurueckzugehen.
Wie sich das wohl anfühlt.
Wie es wohl sein wird, all die Menschen und Ort die man hier so lieben gelernt hat hinter sich zu lassen, in dem Gewissen, dass es nie wieder so sein wird, wie in den letzten Monaten.

In der eigentlich doch ziemlich kurzen Zeit, in der ich erst hier bin habe ich gelernt, dass man nicht unglueklich sein muss um Zuhause zu vermissen.
Dass man Heimweh und Fernweh gleichzeitig haben.
Dass man mit einem Laecheln im Gesicht weinen.



Samstag, 9. April 2016

Von Fotos und anderen Welten

 Langsam kommt das Boot zum stehen, die Wellen lassen es sanft hin und her schaukeln, aber du spürst das schon fast nicht mehr, zu sehr bist du darauf fokussiert, was gleich passieren wird.
Du gehst raus, deinen Neoprenanzug schon an, musst nur noch deine Maske aufsetzen, gehst die letzten paar Schritte bis zum Wasse-
Als du dich langsam vom Boot gleiten lässt spürst du, dass das Wasser nicht ansatzweise kalt ist und zuerst bist du noch darauf konzentriert ruhig durch deinen Schnorchel zu atmen.
Als du deinen Kopf unter Wasser tauchst siehst du erst nichts als ein klares Blau, du schwimmst ein paar Meter, immernoch ein bisschen unbeholfen mit den großen Flossen an deinen Füßen und dann, ganz plötzlich siehst du es vor dir.

Ohne große Ankündigung und vorallem ohne darauf vorbereitet zu sein. Du hast Fotos gesehen, viele Fotos, hunderte, tausende, aber keine Kamera der Welt könnte diesen einzigartigen Ort so darstellen, wie er in echt auf einen wirkt. Um dich herum ist es still, das einzige was du jetzt noch hörst ist dein eigener Atem.
Vor dir liegt das Great Barrier Reef, vermutlich das berühmteste Riff der Welt und jetzt weißt du wieso. Es gibt kaum Worte, die das Gefühl beschreiben, dass du fühlst, keine Worte die bescheiben könnten was du siehst. Du siehst Dinge, die du noch nie zuvor in deinem Leben gesehen hast. Fische und Korallen in allen erdenklichen Farben und Formen.

Obwohl du nur wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche bist, ist es als wärst du in einer anderen Welt. Und du merkst wie klein du doch bist, wie unwichtig du für die Welt doch bist und du merkst, dass alles was wirklich zählt ist, ob du glücklich bist.

Vor zwei Tagen habe ich zum ersten Mal in meinem Leben das Great Barrier Reef gesehen. Man könnte vielleicht denken, dass man nach diesem einen Mal genug davon hat, und sich denkt, man hätte alles gesehen, aber es ist das komplette Gegenteil. Der winzigen Teil des Riffs den ich gesehen habe, hat mich nur noch neugieriger auf den Rest gemacht und mich ein weiteres Mal davon überzeugt, meinen Tauchschein zu machen, jetzt wo ich die Chance habe ihn an einem so einzigartigen Ort wie hier zu machen.