Montag, 9. Mai 2016

Von Dankbarkeit und dem Gefühl nur eine von vielen zu sein

Es ist schwer auszurdrücken wie ich mich gerade fühle ohne dabei arrogant oder undankbar zu klingen. Deshalb möchte ich folgendes vorwegsetzten: Ich bin unglaublich dankbar für jede Minute die ich hier in Australien verbringen darf. Ich bin mir bewusst was für ein Privileg es ist, überhaupt hier zu sein und ich weiß, dass es so viele gibt, die aus was für Gründen auch immer nicht die Möglichkeit haben, das zu erleben, was ich gerade erleben darf.

Vor ein paar Tagen bin ich mitten in der Nacht aufgewacht und alles woran ich denken konnte war, dass ich in weniger als zwei Monaten diesen wundervollen Ort wieder verlassen muss. Ich konnte nicht aufhören, mir vorzustellen, dass ich all die Menschen, die ich hier so lieben gelernt habe vielleicht nie wieder sehen werde. Wie die meisten Dinge erschien mir dieser Gedanke viel größer und erdrückender in der Nacht, als am nächsten Morgen, aber je näher mein Abflugdatum rückt, desto öfter habe ich solche Gedanken. Viele würden mir jetzt natürlich raten einfach nicht daran zu denken und meine Zeit einfach zu genießen, aber jeder der schonmal in einer ähnlichen Situation war, weiß wie schwer es ist solche Gedanken zu verdrängen.
Zumal es konstant irgendwen gibt, der einen wieder daran erinnert, meist garnicht böse gemeint. Zum Beispiel wenn ich mich mit Freunden unterhalte und das Gesprächsthema darauf gelenkt wird was beispielsweise im August passiert.
 Bis plötzlich jemandem auffällt, dass ich dann garnicht mehr da sein werde. Dann bekomme ich von allen Seiten zuhören, wie sehr ich fehlen werde und dass sie mich all vermissen werde. Es ist natürlich wundervoll zu hören, wie viel man seinem Umfeld bedeutet und zu wissen, dass man ein bedeutender Part der Gruppe ist. Aber auf der anderen Seite würde ich bis zu meinem letzten Tag am liebsten so tun als würde ich ganz normal dazu gehören und für immer hierbleiben. Am liebsten würde ich solche Dinge bis zu meinem Abschied garnicht hören wollen.
Und dann ist da das ständige Gefühl, garnicht mehr genug Zeit für all das zu haben, was man sogerne noch erleben und sehen würde.
Doch wenn man irgendwem davon erzähl, sagen einem alle, man könne ja wieder kommen, nach der Schule, irgendwann und die meisten versuchen wirklich einem zu helfen, dass man sich besser fühlt. Aber um ganz ehrlich zu sein: Es wird nie wieder das selbe sein.
Man wird nie wieder hier zur Schule gehen können, vielleicht sind Freunde nach ihrem Abschluss weggezogen um zu studieren, ich werde die meisten Leute vermutlich nie wieder sehen.

Ich weiß, dass ich keinen Grund habe mich zu beschweren, und das möchte ich hiermit auch garnicht.
Ich versuche nur auszudrücken, wie verwirren und beängstigend der Gedanke ist, diesen Ort wieder verlassen zu müssen.
Zu wissen, dass alle hier ihr Leben weiter leben werde, nur eben ohne mich.
Sich bewusst zu sein, dass so viele einen wieder vergessen werden,
dass man selbst so viel vergisst,
 Und immer ein wenig Angst zu haben, dass es sich so anfühlt als wäre man nie weg gewesen
und dass man am Ende doch nur eine von vielen war.

Freitag, 29. April 2016

Von Heimweh und der Angst zu gehen

Manchmal hat man einfach Heimweh.
Manchmal will man nichts anderes, als in seinem Bett Zuhause in Deutschland zu liegen.
Dann möchte man all die vertrauten Dinge zurück, die man erst jetzt, am anderen Ende der Welt so schätzen gelernt hat, bei sich haben.
Es muss garnicht mal eine bestimmte Person sein, die man vermisst. Manchmal ist es einfach ein Gefuehl, ein Ort, ein Geruch, ja manchmal sogar etwas, das man eigentlich nie so richtig mochte, das man vermisst.
Man muss nichtmal unglueklich sein, da wo man gerade ist. Es kann der schoenste Moment sein und dann faellt einem ein, wem aus Deutschland man das wohl erzaehlen wuerde, oder man denkt daran, wen man jetzt gerne dabei haette.
Manchmal möchte man einfach "aufgeben" und zurück.
Aber im nächsten Moment hat man wieder so viel Angst davor, all das, was man hier hat wieder verlassen zu müssen.
Dann kriegt man Panik, weil die Zeit doch immer viel zu schnell vorbei geht.
Man realisiert, dass man ein paar Monate zuvor noch ein Fremder hier war, jemand der niemanden kannte und nichts bei sich hatte, ausser einen Koffer voll Kleidung. Man hatte nichtmal eine Vorstellung davon, wie die naechsten Wochen seines Lebens aussehen wuerden.
Und jetzt, nur ein paar Monate spaeter, hat man das Gefuehl angekommen zusein, man hat Freunde gefunden, die man nie wieder verlassen moechte, Orte kennengelernt, die man immer vermissen wird und Dinge erlebt, die man nie vergessen wird.
Und dann fallen einem all die Dinge ein, die man noch erleben und sehen moechte und man merkt, dass die Zeit, die bleibt, nie genug sein kann. Dann stellt man sich vor, wie das wohl ist, zurueckzugehen.
Wie sich das wohl anfühlt.
Wie es wohl sein wird, all die Menschen und Ort die man hier so lieben gelernt hat hinter sich zu lassen, in dem Gewissen, dass es nie wieder so sein wird, wie in den letzten Monaten.

In der eigentlich doch ziemlich kurzen Zeit, in der ich erst hier bin habe ich gelernt, dass man nicht unglueklich sein muss um Zuhause zu vermissen.
Dass man Heimweh und Fernweh gleichzeitig haben.
Dass man mit einem Laecheln im Gesicht weinen.



Samstag, 9. April 2016

Von Fotos und anderen Welten

 Langsam kommt das Boot zum stehen, die Wellen lassen es sanft hin und her schaukeln, aber du spürst das schon fast nicht mehr, zu sehr bist du darauf fokussiert, was gleich passieren wird.
Du gehst raus, deinen Neoprenanzug schon an, musst nur noch deine Maske aufsetzen, gehst die letzten paar Schritte bis zum Wasse-
Als du dich langsam vom Boot gleiten lässt spürst du, dass das Wasser nicht ansatzweise kalt ist und zuerst bist du noch darauf konzentriert ruhig durch deinen Schnorchel zu atmen.
Als du deinen Kopf unter Wasser tauchst siehst du erst nichts als ein klares Blau, du schwimmst ein paar Meter, immernoch ein bisschen unbeholfen mit den großen Flossen an deinen Füßen und dann, ganz plötzlich siehst du es vor dir.

Ohne große Ankündigung und vorallem ohne darauf vorbereitet zu sein. Du hast Fotos gesehen, viele Fotos, hunderte, tausende, aber keine Kamera der Welt könnte diesen einzigartigen Ort so darstellen, wie er in echt auf einen wirkt. Um dich herum ist es still, das einzige was du jetzt noch hörst ist dein eigener Atem.
Vor dir liegt das Great Barrier Reef, vermutlich das berühmteste Riff der Welt und jetzt weißt du wieso. Es gibt kaum Worte, die das Gefühl beschreiben, dass du fühlst, keine Worte die bescheiben könnten was du siehst. Du siehst Dinge, die du noch nie zuvor in deinem Leben gesehen hast. Fische und Korallen in allen erdenklichen Farben und Formen.

Obwohl du nur wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche bist, ist es als wärst du in einer anderen Welt. Und du merkst wie klein du doch bist, wie unwichtig du für die Welt doch bist und du merkst, dass alles was wirklich zählt ist, ob du glücklich bist.

Vor zwei Tagen habe ich zum ersten Mal in meinem Leben das Great Barrier Reef gesehen. Man könnte vielleicht denken, dass man nach diesem einen Mal genug davon hat, und sich denkt, man hätte alles gesehen, aber es ist das komplette Gegenteil. Der winzigen Teil des Riffs den ich gesehen habe, hat mich nur noch neugieriger auf den Rest gemacht und mich ein weiteres Mal davon überzeugt, meinen Tauchschein zu machen, jetzt wo ich die Chance habe ihn an einem so einzigartigen Ort wie hier zu machen.













Montag, 14. März 2016

Von alten Gefängniszellen und gutem Essen (Melbourne Edition)


Die letzten vier Tage war ich mit meiner Gastfamilie in Melbourne (Donnerstagmorgen sind wir von Cairns aus losgeflogen und Sonntagabend gings wieder zurück) und es war unglaublich. Ich hab von vielen Leuten gehört wie schön Melborune sein soll, aber trotzdem hat mich die Stadt ziemlich beeindruckt. Zum einen vermutlich, weil ich knapp die letzten zwei Monate in einem relativ kleinen Ort mit gerade mal 6,000 Einwohnern verbracht hab, zum anderen aber, weil die Stadt einfach wunderschön ist. Verglichen zu sehr vielen anderen Großstädten ist Melbourne extrem sauber und das Essen ist einfach fantastisch, was der Hauptgrund ist warum wir die meiste Zeit mit essen (und shoppen, was auch kein Wunder ist, wenn man in einem Ort lebt der etwa drei Klamotten Läden hat) verbracht haben. Vorallem asiatische Restaurants finden man an jeder Ecke, weshalb wir an drei von vier Abenden Asiatisch essen waren.

Für alle die planen nach Melbourne zu fahren und auch für alle anderen, um sie davon zu überzeugen, DASS es sich lohnt nach Melbourne zu fahren habe ich die besten Dinge, die wir uns angeschaut haben ein wenig zusammen gefasst: 


Eureka Sky Deck
Das Sightseeing Highlight schlecht hin und ganz sicher keine Geheimtipp mehr, aber die Aussicht ist unglaublich, sodass sich auch die knapp 20$ Eintritt wirklich lohnen. Das Skydeck des Eureka Tower ist eines der Dinge, die man sich auf jeden Fall angeguckt haben sollten wenn man in Melbourne war.


Melbourne Museum
Ein Museum mit wechselnden Austsellungen in dem wirlich jeder etwas findet, dass ihn interessiert. Von Dinosaurierskeletten über Aboriginal Geschichte bis hin zu einem echten kleinen Wald ist von allem etwas dabei. Mir persönlich hat die Austellung über Insekten und Anatomie am besten gefallen. Der Eintritt ist für Kinder bis 16 frei und kostet für Erwachsene 19$.

https://museumvictoria.com.au/melbournemuseum/

Queen Victoria Markets

Der berühmteste Markt Melbournes und vermutlich ganz Victorias. Neben Unmengen an frischem Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch gibt es eine fast noch größere Auswahl an Kleidung, Taschen, Schmuch, Souveniers und verschiedenstem Kunsthandwerk. Zwischen einer Menge Ramsch findet man aber auch hochwertige und vorallem einzigartige Produkte. Am besten kommt man gleich zum Frühstück her, denn an gutem Essen gibt es wie immer mehr als genug.

http://www.qvm.com.au/ 

St. Kilda
Ein kleiner Vorort, der offiziell garnicht mehr zu Melbourne gehört, den man sich aber trotzdem angeguckt haben sollte. Bei sonnigem Wetter der perfekte Ort für einen faulen Tag am Strand, aber auch sonst lohnt sich ein Abstecher. Entlang der Hauptstraße reiht sich eine Kuchenbäckerei an die andere, so dass man sich garnicht entscheiden kann aus welchem Schaufenster man sich etwas kaufen will. Nicht immer ganz billig aber auch die 9$ für ein Stück Kuchen sind hier gut investiert. Außerdem der perfekte Ort zum shoppen wenn man etwas anderes als die immer gleichen großen Modeketten will. Von Teuren Boutiquen bishin zum autentischen Hippieladen findet man hier fast alles was das Herz begehrt.

Old Melbourne Goal


Für 25$ kann man sich kann man sich von einem "Sargeant" als Gefangener behandeln lassen und für kurze Zeit in einer historische Gefängniszelle einsperren lasse. Neben dieser etwas außergewöhnlichen Erfahrung bekommt man spannende Infos zum Leben im Gefängnis im 19ten und 20ten Jahrhuntert und kann sich das gesamte Gebäude angucken. Ziemlich beeindruckend und auf jeden Fall das Geld wert.

http://www.oldmelbournegaol.com.au/ 

South East Asia Food Festival
Zwar keine dauerhafte Einrichting aber trotzdem ein Tipp immer auf aktuelle Festivals und Events zu achten. Dieses haben wir sehr spontan auf der Suche nach einem Restaurant gefunden und es war so gut, dass wir am nächsten Tag zum Frühstück gleich wiedergekommen sind. Von Thailand über Malaysia bis hin zu Indonesien war fast jedes Land vertreten. Außerdem gab Live Musik und natürlich Unmengen an gutem Essen, so dass man sich garnicht entscheiden konnte, was man nehmen soll.

 

Mittwoch, 2. März 2016

Von Schwächen und der Kunst glücklich zu sein

Obwohl ich erst (oder sollte ich viel mehr sagen schon?) seit einem Monat in Australien bin, fühle ich mich, als hätte mir die Zeit schon so viel gebracht, als hätte ich schon so viel gelernt.
Ich habe gelernt, die einfachen Dinge wertzuschätzen und dass es nicht viel ist was man braucht um glücklich zu sein, aber dass man auch im Paradies unglücklich sein kann, dass einen nichts und niemand glücklich machen kann, wenn man nicht glücklich sein will.
Und das ein Paradies nicht immer wie ein Paradies aussehen muss.
Aber es wäre auch ein bisschen zu einfach bloß zu sagen, wir müssen nur wollen, obwohl es das eigentlich schon ziemlich gut trifft.
Wir müssen auch wollen dürfen und können und ich bin so unendlich dankbar dafür, dass ich konnte und durfte.

Es ist nicht so, dass man sich plötzlich verändert, nur weil man weg von Zuhause ist.
Als ich hier angekommen bin war ich das gleiche Mädchen wie das, was in Hamburg losgeflogen ist. Mit den gleichen Stärken und auch mit den gleichen Schwächen und Problemen.

Aber mit der Zeit merkt man, dass man diese Schwächen überwinden muss, um die Zeit genießen zu können.
Man muss sich manchmal dazu zwingen, auf die Leute zuzugehen und sie anzusprechen, aber ich habe schnell gelernt, dass man eigentlich ziemlich wenig zu verlieren hat.
Ich habe auch gelernt, mich selbst dafür verantwortlich zu machen, wie ich mich fühle. Manchmal scheint es, als hätten alle um einen herum mehr Spaß und ein interessanteres Leben, als wären alle um einen herum glücklicher. ich kenne diese Gefühl auch.
Und selbst wenn das stimmt, selbst wenn deren Leben interessanter ist, (was meistenst nicht mal stimmt, wir versuchen doch alle nur unsere interessante, unsere lustige und spontane Seite zu zeigen) dann nur weil sie es sich interessant gemacht haben.

Ich habe gelernt, dass mein Leben nicht umbedingt interessanter wird, dass ich nicht umbedingt glücklicher bin, nur weil ich am anderen Ende der Welt bin.
Hier zu sein ist eine Chance, glücklich zu sein, aber ich bin diejenige, die herausfinden muss, was mich glücklich macht, diejenige, die diesen Weg gehen muss.

Aber das wichtigste was ich hier bisher gelernt habe ist, zu wissen wer ich bin und das zu lieben und zu akzeptieren wie es ist.
Allein das macht einen schon so viel glücklicher.



Donnerstag, 18. Februar 2016

Von Schulalltagen und verpassten Aufführungen

Mein Schulalltag beginnt um 7:15, dann klingelt mein Handy und weckt mich, wenn ich nicht schon vorher von der Morgensonne aufgewacht bin. Meistens stehe ich gegen halb acht auf und gehe duschen. Meine Gastmutter macht uns Smoothies zum Frühstück und ich packe meine Lunchbox für die Schule. Meistens die Reste vom gestriegen Dinner oder irgendetwas anderes essbares, was ich im Kühlschrank finde. Gegen halb neun kommt ein Freund meines Gastbruder und nimmt uns in seinem Auto mit zur Schule oder wir fahren bei den Nachbarn mit.
 Um 8:50 beginnt dann offizell die Schule.
In den ersten paar Minuten liest der Lehrer die Ankündigung für den heutigen Tag vor, meist geht es um Treffen verschiedenster Clubs oder einzelne Schüler werden gebeten irgendeinen Lehrer in der Pause aufzusuchen. Eine Stunde geht 70 Minuten und wir haben nach der zweiten und der dritten Stunde je 50 Minuten Pause.
 Ein Freitag wie heute beginnt mit Drama. Immoment bereiten wir uns auf unsere erste Prüfung vor, in der es um Directing geht. 10 Minuten lang müssen wir mit Schülern aus unserem Kurs eine Szene üben, die wir uns selbst aussuchen können, wobei wir die Rolle des Regisseurs übernehmen und Anweisungen zum Spiel, dem Ausdruck, der Positionierung auf der Bühne und so weiter geben müssen. Wir haben 4 verschiedene Stücke zur Auswahl und diese Woche haben wir uns hauptsächlich mit dem Lesen unseres Stücks und der Auswahl einer Szene beschäftigt.
In der zweiten Stunde habe ich Mathe, was, obwohl ich Maths B, also den mittelschweren Mathekurs haben, ziemlich leicht ist und wir den Großteil des Stoffs schon vor zwei Jahren in Deutschland gemacht haben.
Nach weiteren siebzig Minuten haben wir dann endlich Pause und ich treffe mich mit meinen Freundinnen draußen, wo wir uns meistens einfach auf eine Bank setzen und essen und reden.
Nach fünfzig Minuten habe ich dann Englisch, wo wir immoment das Thema Life Writing haben. Das heißt wir lesen und analysieren autobiographische Texte und gerade sind wir dabei einen über unser eigenes Leben zu schreiben. Anstatt vollkommen konzentriert an unseren Texten zu arbeiten unterhalten wir uns aber lieber mehr oder weniger unaffällig über verschiedenste Leute und das bervorstehende Wochenende. Nach siebzig Minuten kreativster Arbeitszeit klingelt es ein weiteres Mal zur nächsten Pause, die an Freitagen aus einem Drama Club Treffen besteht. Wir bekommen unser Skript und die Rollen zugeteilt, das heißt alle anderen bekommen ihre Rollen zugeteilt. Mein Problem ist nämlich, dass unsere Performances drei Wochen nach meinem Abreisedatum sind und ich von der Schule aus nicht nur für drei Wochen verlängern kann. Wenn dann müsste ich den ganzen dritten Term hier verbringen. Also übernehme ich die Rolle des Regisseurs und bitte die Leute, die Performance umbedingt aufzunehmen und mir zu schicken.
In der letzten Stunde habe ich Engineering, also Metallarbeit. Wir sind nur drei Mädchen in dem Kurs und meistens ist eine der beiden oder sogar beide aufeinmal nicht da. Dieses Semester bauen wir eine Werkzeugkiste aus Metall aber heute machen wir nur Theorie, was relativ langweilig ist.
Um drei Uhr klingelt es dann ein letztes Mal und wir sind für die nächsten zwei Tage ins Wochenende entlassen.

Dienstag, 9. Februar 2016

Von Ängsten und leuchtenen Skorpionen

Ein Wochenende voll unvergesslicher Erinnerungen liegt hinter mir. Ich habe Wallabies gefüttert und Schlagen auf dem Arm gehabt, ich bin durch Regenwälder gegangen und habe Wasserfälle besichtigt. But first things first.

Der letzte Sonntag stand zu meiner freien Verfügung. Die Woche zuvor waren meine Gastmutter und ich in Atherton´s Touristeninformation, damit ich mir einen Überblick verschaffen kann, was man in der Gegend alles machen kann. Meine Wahl fiel schließlich auf Kuranda, einem kleinen Ort mit täglichem crafts market, etwa eine Stunde von Atherton, und die Barron Falls.
Die Sonne scheint bereits, als wir morgens das Haus verlassen und es verspricht, ein heißer Tag zu werden. In Kuranda angekommen ist es um die 27 Grad und es ist gerade mal 10 Uhr. Wir schlendern durch die vielen kleinen Läden und über den Kuranda Market und werden beide fündig, meine Gastmutter sogar gleich zweimal. Nach unserer Shoppingtour kaufen wir zur Erfrischung kalte Getränke und Kim beschließt, dass es Zeit ist, sich einer ihrer Ängste entgegen zu stellen: Schlangen.
Wir gehen in eine Art Zoo, der ausschließlich Schlangen, Spinne und Skorpione zeigt. Ein Mitarbeit erzählt uns etwas über die verschiedenen Tierearten und zeigt uns Dinge von denen ich noch nie in meinem Leben gehört habe. Wir erfahren zum Beispiel, dass Skorpione unter Schwarzlicht grünlich leuchten. Dann kommt der Moment, der Kim die ganze Zeit einwenig nervös gemacht hat, aber sie zieht nicht zurückt. Ich selbst habe auch noch nie eine Schlange angefasst und bin überrascht wie weich sich die Haut anfühlte. Kim sieht zwar nicht ganz so begeistert aus, aber sie sagt, dass sie mir sicher irgendwann dankbar dafür sein wird, dass ich sie dazu gebracht hab ihre Angst zu überwinden.
Nach diesem ziemlich interessanten Erlebniss beschließen wir, dass es Zeit für Lunch ist. Wir gehen in ein Deutsches Café, das Bratwürste mit Sauerkraut und deutschem Bier verkauft. Der Eigentümer selbst ist Deutscher und meine Gastmutter scheint eine der wenigen Australier dort zu sein, der Rest sind alles Deutsche, die um die halbe Welt gereist sind um dann Deutsch essen zu gehen.
Verrückte Touristen.
Mittlerweile sind es 34 Grad, die Sonne scheint vom beinahe wolkenlosen Himmel und wir beschließen weiter in Richtung Barron Falls zu fahren, die nur etwa zehn Minuten entfernt sind. Wir sind fast die einzigen dort und auf unserem Weg durch den Regenwald sind wir ganz alleine. Ich bin vollkommen fasziniert von all den Geräuschen und Farben, die ich vorher noch nie so gesehen oder gehört habe.
Die Barron Falls haben zwar nicht besonders viel Wasser, sind aber trotzdem ziemlich schön. Als wir wieder zurück am Auto sind ist es bereits nach 4 Uhr, und wir bemerken erst jetzt, wie lange wir schon unterwegs sind. Kim fragt mich, ob ich mir noch den Granite Gorge Park angucken möchte und ich sage ja. Auf dem Weg dorthin sind wir uns allerdings nicht ganz sicher, wie lange dieser noch geöffnet hat und nach ergebnisloser Suche im Internet rufen wir an, um zu erfahren, dass wir noch bis halb sechs Zeit haben. Der Nationalpark ist besonders berühmt für seinen sogenannten Wallabie Rock. Am Eingang kann man für einen Dollar eine Hand voll Wallabiefutter mitnehmen und diese dann damit füttern.
Die Tiere sind offensichtlich so gewöhnt an die Touristen, dass sie überhaupt keine Scheu haben, einzig und allein die umherlaufenen Pfaue machen ihnen ein wenig Angst. Nachdem all unser Futter verteilt ist, gehen wir noch ein wenig weiter im Park umher und setzen uns an einen See. Es ist fast vollkommen still und ab und zu sieht man eine Wasserschildkröte auftauchen.
Um diesen ergnisreichen Tag abzuschließen, gehen wir noch ein Eis essen und am frühen Abend sind wir schließlich wieder Zuhause.

Kim hat heute ihre Angst vor Schlangen überwunden, was sie zu recht ziemlich stolz macht. Wir alle haben Ängste und das ist auch gut und richtig so. Ich habe selbst Angst vor so vielen Dingen da draußen, manche Ängste davon sind berechtigt, andere erscheinen ziemlich sinnlos. Ehrlich gesagt hatte ich auch ein wenig Angst vor meiner Zeit in Australien, aber es hat sich herausgestellt, dass diese vollkommen unberechtigt war und ich bin froh, dass sie mich nicht daran gehindert hat, all die wundervollen Dinge zu tun, die ich hier erleben darf.
Denn schließlich ist das Überwinden unserer Ängste das, was uns so stark macht.








Montag, 1. Februar 2016

Von Sonntagen und schönen Aussichten

Sonntag - 6.30, mein Wecker klingelt. Jeder normale Mensch würde um diese Uhrzeit noch schlafen, aber ich stehe auf und ziehe mich an. Ohne Frühstück geht es aus dem Haus. Meine Gastmutter Kim, ihre Mitbewohnerin Joy und ich sind auf dem Weg zum "Widow Maker", einem Berg,  nur 5 Autominuten von unserem Haus. Es ist angenehm kühl, etwa 24° und der Himmel ist größtenteils bedekt, ein leichter Wind weht, perfektes Wanderwetter also. Dudley, unser Cockerspaniel, ist auch mit von der Partie, und wartet schon ungeduldig im Kofferraum darauf, dass es endlich losgeht. Angekommen springt er aufgeregt aus dem Auto und läuft ein paar Meter vor. Der Weg beginnt breit und flach und wird im Laufe der Zeit immer schmaler und steiler. Nach einer knappen halben Stunde machen wir kurz Pause um Fotos von der Aussicht zu machen, dann geht es weiter den Berg rauf. Auf dem Weg hoch treffen wir eine Handvoll Leute, die Kim alle zu kennen scheint. Auf dem letzten Stück wird es besonders steil und steinig und dann sind wir, nach einer weiteren halben Stunde, endlich angekommen.
 Obwohl es nicht besonders heiß ist und die Sonne nicht scheint, bin ich ziemlich außer Atem und mein Tshirt ist nassgewitzt, aber all die Anstrengung hat sich gelohnt. Die Aussicht ist fantastisch. Am Boden sieht man Atherton, umgeben von Feldern und Regenwald.  Nach weiteren Fotos und einer kurzen Pause geht es wieder runter. Der Abstieg ist deutlich weniger anstrengend und trotzdem schaffen Joy und ich es beide zu stolpern und uns die Knie aufzuschlagen, was Kim so lustig findest, dass sie garnicht mehr aufhören kann zu lachen und beschließt, ein Foto unserer Verletzungen zu machen. Wieder am Auto angekommen, ist Dudley kitschnass und sieht aus, als würde er schwarze Socken tragen. Wir machen eine Kaffeepause beim McCafe. Als wir wieder zuhause sind ist es gerade mal halb elf und ich fühle mich, als könnte ich direkt wieder schlafen gehen. Aber all die Anstrengungen haben sich auf jeden Fall gelohnt.



Donnerstag, 28. Januar 2016

Von ersten Schultagen und einem Gefühl von Zuhause

Seit zwei Tagen gehe ich hier offiziell zur Schule.
Es ist anders als in Deutschland, allein die Auswahl an Fächern unterscheidet sich enorm.
Die Fächer in Australien sind, zumindest in den letzten zwei Jahren, viel praktischer und berufsorientierter. Man kann frei wählen, nur Mathe und Englisch sind Pflicht. Für die restlichen vier Fächer gibt es keinerlei Vorgaben. Es gibt hier ganz "normale" Fächer, wie Physik, Biologie und Geschichte aber auch Fächer wie Landwirtschaft, Tischlern und Astrophysik.
Die Kurse, die ich belege sind Drama, Film Television & New Media, Engineering (Metallarbeit), Home Economics (quasi wie Hauswirtschaftslehre) und eben Englisch und Mathe.
Für meine ersten Tage habe ich eine Art Buddy bekommen, jemand der mir zeigt wo alles ist und mir ein paar Leute vorstellt. Ich bin die einzige Austauschschülerin in meinem Jahrgang, was gut ist, weil es mich zwingt, gleich in Kontakt mit Australiern zu kommen und mir nicht erlaubt, mich auf die anderen Internationals zu fixieren.

Es ist schon merkwürdig.
An einem Tag kennt man alles was man sieht, einem fällt gar nicht mehr auf, wie gut man die Dinge um sich herum kennt, wie vertraut einem alles ist, und am nächsten Tag steht man ganz alleine da, ohne all diese Dinge und merkt plötzlich was davon man wirklich braucht und was überhaupt nicht.
Genauso fühle ich mich gerade. In Deutschland habe ich meine Leute, die mich kennen, die ich kenne, meine Orte, an denen ich mich auskenne. Und hier in Australien hab ich nichts davon. Aber das fühlt sich nicht schlecht an, nein, ganz im Gegenteil, das fühlt sich wunderbar an. Es ist genau das, was ich wollte.
 Sicher, es gibt Momente in denen ich gerne meine vertraute kleine Welt wiederhaben will, aber diese Momente sind nicht oft.
Es ist wenig was man braucht um zu leben, um sich irgendwo Zuhause zu fühlen, das habe ich schon jetzt, nur eine Woche von dem was ich bisher Zuhause genannt habe, erkannt.

Samstag, 23. Januar 2016

Von Träumen und toten Kängurus

Butterflygarden am Singapur Airport
Australia - here I am

Seit ich zur Grundschule gehe, war es immer mein Traum nach Australien zu fliegen und finally, here I am, in Australia.

Nach mehr als dreißig Stunden Flug mit weniger als 4 Stunden Schlaf bin ich da. In Cairns am Flughafen hat mich die Mitbewohnerin meiner Gastmutter abgeholt. Anderthalb Stunden ging es durch Regenwälder, hoch in die Atherton Tablelands. Der Ort Atherton ist relativ klein, aber ich wollte ja etwas anderes als Zuhause in Hamburg. Das Wetter ist traumhaft, aber ein bisschen zu warm, vorallem, wenn man gerade aus dem deutschen Winter kommt. Mit meinem Englisch klappt es erstaunlich gut, auch wenn manche Australier einen so krassen Akzent haben, dass ich selbst beim dritten mal nachfragen nichts verstehe.

Ich glaube ich bin in der verrücktesten Gastfamilie Australiens gelandet. Meine Gastmutter Kim hat gesagt, sie gibt mir eine Woche, dann bin ich genauso verrückt wie der Rest der Familie. We´ll see. Zu meiner neuen Familie gehört außerdem ein ziemlich wuseliger Cockerspaniel, Dudley, der gerade unter meinem Bett liegt und sich vom Ventilator kühlen lässt, weil ihm mindestens genauso warm ist wie mir.

 Die Schule fängt erst am Mittwoch an und ehrlich gesagt bin ich ziemlich nervös was das angeht. Immerhin kenne ich da niemanden und keiner kennt mich, aber mir wurde gesagt, dass meine International Coordinator sehr nett sein soll, was mich ein wenig beruhigt hat.

Gestern hatten wir Lunch in Mareeba, einem Nachbarort von Atherton. Auf dem Weg dorthin habe ich meine ersten wildlebenden Kängurus gesehen. Obwohl sie ehrlich gesagt nicht besonders lebendig waren, sondern überfahren am Straßenrand lagen.

Bei diesem Wetter kann man eigentlich nicht viel mehr machen als faul herumzuliegen, aber Kim sagt, wenn sie eins nicht ausstehen kann, dann sind das faule Menschen. Also haben wir gestern Yoga im Garten gemacht, sind heute morgen einmal quer durch den Ort gelaufen (es ist erstaunlich wie weit Australier in FlipFlops laufen können) um bei ihrem Bruder (den alle nur Fatty nennen) zu frühstücken und später gehen wir zu einem See, schwimmen.

Man könnte also sagen, dass ich hier insgesamt ziemlich glücklich hier bin, auch wenn ich bestimmt noch ein paar Wochen brauche um mich entgültig einzuleben.


Freitag, 15. Januar 2016

Von Abschieden und den letzten Tagen vor meiner Abreise

In fünf Tagen geht es los und langsam merke ich, dass es nicht mehr lange ist, bis ich mich von all dem hier verabschieden muss.
Ich hasse Abschiede. Ich hasse das Gefühl, mich von vertrauten Dingen zu lösen.
Ich hasse es geliebte Sachen gehen zu lassen.

Aber irgendwie ist auch jeder Abschied ein Neuanfang. Und ich liebe Neuanfänge.
Ich liebe das Gefühl, auf eine unbemalte Leinwand, auf ein leeres Buch zu schauen.
Ich liebe es, von null anzufangen.
Ich liebe es, selbst bestimmen zu können, wo ich hin will.
Ich liebe das Ungewisse, die Überraschung, die Aufregung.
Ich liebe es, nicht zu wissen was kommt.
Ich liebe den Blick in die Ferne und das Abenteuer, das dort auf mich wartet.

Mein Aufenthalt in Australien wird ein Abschied sein.
Ein Abschied von vertrauten Personen, Gewohnheiten, von meinem Zuhause.
Ein Abschied von all den mir so bekannten Dingen.
Ein Abschied von Deutschland. Zumindest für fünf Monate.
Und es wird ein Neuanfang sein.
Eine Chance, neue Dinge auszuprobieren.
Eine Chance, zu erfahren wo ich wirklich hinwill.
Eine Chance, das bisher größte Abenteuer meines Lebens zu erleben.

Samstag, 2. Januar 2016

Von Mut und meiner Entscheidung nach Australien zu gehen

Mut bedeutet nicht, Dinge zu tun die noch nie ein anderer getan hat. Mut bedeutet Dinge zu tun, die man selbst nie für möglich gehalten hat. Mut ist etwas sehr persönliches. Für den einen ist es schon mutig, wenn er vom Drei-Meter-Brett im Schwimmbad springt, der andere braucht eine Klippe, um diesen Sprung Mut zu nennen. Wir sollten also viel weniger andere für ihren Mut beneiden, als unseren eigenen Mut zu bemerken. Und wir sollten mutig sein und Dinge tun, die wir selbst nie für möglich gehalten haben.

Ich bekomme von vielen Leuten zu hören, dass sie es mutig finden, für ein halbes Jahr ins Ausland zu gehen. Bei einer Familie zu wohnen, die ich nicht kenne, in einer Stadt, die ich nicht kenne, wo womöglich kaum einer meine Sprache spricht. Ehrlich gesagt habe ich nie wirklich darüber nachgedacht, ob die Entscheidung, die ich getroffen habe mutig war oder nicht. Ich könnte von meinem jetzigen Zeitpunkt aus nicht mal sagen ob es eine gute Entscheidung war. Allerdings glaube ich auch nicht, dass solch eine Entscheidung richtig oder falsch sein muss, geschweige denn, dass sie es kann. Australien wird mich weiterbringen, da bin ich mir sicher. Was ich nicht weiß ist, in welche Richtung. Aber ich glaube genau das ist das Spannende an so einer Reise.